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Blitz-Cricket auf Heligoland
Weder die „Further Friars“ noch „Heligoland Pilgrims“ ahnten, daß sie Geschichte schreiben würden, als sie an den Landungsbrücken in Hamburg ankamen, um mit dem Katamaran zur Insel der Gastgeber überzusetzen. Ähnlich wie beim Börsencrash von 1929 sollten monatelange sorgfältige Planungen und Abstimmungen innerhalb der nächsten 36 Stunden zunichte gemacht werden. Ihr seid also gewarnt – lest weiter, wenn ihr euch traut.
Während sich die Teams am Abfahrtsterminal trafen, schienen unheilvolle Nachrichten den Präsidenten erreicht zu haben, dessen distanzierter Blick zum Horizont und zurück zu seinem funkelnden Nokia-3210-Handy nichts von dem verriet, was die Reisenden erwartete. Als die Nachzügler auf den letzten Drücker auf die Fähre geschleust wurden, wagten die durstigsten unter den Besuchern bereits, ihr Hopfen–angereichertes Frühstück zu bestellen – eines, das sie wahrscheinlich schon bald wieder zu Gesicht bekommen würden. Die Seefahrt ging voran, während sich der Himmel und die Stimmung an Bord verdüsterten und die Besatzung dazu überging, kostenlose Anti-Übelkeitsmittel zu verteilen. Die Überfahrt in die Nordsee erwies sich als Wendepunkt, als die Wellen mit dem Katamaran spielten wie ein Feldspieler, der einen Ball jongliert; Passagiere, Gepäck und leider auch Besteck flogen durch die Luft, während das Boot über (und unter) dem tobenden Sturm hin- und herhüpfte. Hier erreichte den Präsidenten die Nachricht, daß die Rückfahrt aufgrund der unberechenbaren Seebedingungen abgesagt werden würde; die ersten britischen Segler erbrachen ihr Frühstück, und der Rest wünschte sich nur noch, daß irgendwo in der Nähe Festland wäre.
Als die Fähre Helgoland erreichte, erhob sich eine Staubwolke – angeführt vom Veteranen Moritz –, die sich auf dem Weg zur Außenstelle des letzten verfügbaren Fähranbieters zurück zum Festland bildete. Nachdem wir unsere Rückfahrt in weniger als 24 Stunden gesichert hatten, stellte sich die Frage nach einer Neuplanung des Atlantic Cup 2026. Nun, für alle Neugierigen: Der Atlantic Cup wird von den Pilgrims (in der Regel) einmal im Jahr gegen einen ahnungslosen Gegner auf Einladung ausgetragen – eine Ehre, die sich nicht wiederholen läßt. Der erste Tag ist der Erkundung der Insel gewidmet, die übrigens steuerfrei ist und allerlei seltene Spirituosen verbirgt, gefolgt von einem zweitägigen Zeitmatch mit mehreren Höhepunkten, darunter hausgemachte Kuchen, Fischbrötchen, ein Trompetensolo, eine Art Barbecue und die reichhaltigen Produkte der Erdinger Brauerei. Die Frage war also: Wie konnten die Pilgrims ihre Verpflichtung gegenüber ihren Gästen erfüllen?
Alles mußte umgeplant werden, Bestellungen wurden storniert, Lieferungen umgeleitet, und die Jugendherberge verdient großes Lob für ihre schnelle Unterstützung. Die Option eines 25-Over-Shootouts unter grauem Himme, das innerhalb der nächsten Stunde zwischen den Friars und den Pilgrims beginnen sollte, schien die einzige Möglichkeit zu sein, überhaupt Cricket zu spielen. Das Spiel wurde unter der Annahme verschoben, daß das Spielfeld verfügbar sein würde – was fast der Fall war. Eine Gruppe ungezogener junger Burschen, die versuchten, Fußball zu spielen, wurde mehr oder weniger erfolgreich vertrieben, das Spielfeld vermessen, dem Neuling Noman eine Erdinger-Spielermütze überreicht, und wie aus dem Nichts ging das Spiel los.
Skipper Ankit gewann das Los und überließ den Gästen das Schlagen. Der Nawab von Rosengarten, der erfolgreich seine Kniebänder zurechtgezurrt hatte, eröffnete das Bowling zusammen mit David, der bereits mit seinem zweiten Ball ein Wicket erzielte. Von da an wurden die Friars in regelmäßigen Abständen zurückgeschickt, wobei alle Pilgrims (mit Ausnahme von Wicketkeeper Andy) zum Bowling antraten. Holdsworth (47) war in schlagkräftiger Stimmung und erzielte Runs über das gesamte Feld, Patten (29) zeigte eine solide Leistung in der Mitte, während Smith (50*) durch „Retired Out“ aus dem Spiel genommen werden mußte. Die Wickets gingen auf das Konto von David und Ankit, der am Ende mit geizigen 8 Runs für seine 2 Wickets abschloß. Bemerkenswerte Höhepunkte waren Nomans erster Catch als Pilgrim, sowie ein Run-Out durch Luke. Am Ende ihrer 25 Overs hatten die Friars 163 Runs erzielt. Was würden die Pilgrims tun?
Möglicherweise noch ein wenig erschüttert von den Wellen der Nordsee, waren die Friars nicht in der Lage, einen neuen Cricketball bereitzustellen – ebenfalls eine Premiere für ein Gastteam auf der Insel. Sie glichen dies jedoch dadurch aus, daß sie während ihres gesamten Innings 12 Spieler im Feld aufstellten. Da die Eröffnungsschlagmänner der Pilgrims schon bald wieder auf der Bank saßen, gefolgt von Luke und Jörg, die beide mit chronischen Verletzungen zu kämpfen hatten, blieb eine gewaltige Aufgabe für Skip Ankit (43) und David (40) übrig. Zusammen mit Andy (17), der wegen eines gebrochenen Daumens verletzt ausfiel (gute Besserung, Kumpel), brachten sie die Punktzahl auf 140 Runs. Dann brachten die Friars King erneut ins Spiel, obwohl er seine vier Overs bereits gebowlt hatte, um den letzten Widerstand zu brechen (4-13). Es sah so aus, als wäre die Heimmannschaft auf Helgoland einem Blitz zum Opfer gefallen.
Die Mannschaften kehrten zur Jugendherberge zurück, wo sie bereits am Freitagabend zum traditionellen Sonnabend-Grillfest empfangen wurden – hervorragend organisiert von David und Keith mit ihren Grillzangen. Ein großes Dankeschön an die beiden Herren. Nach dem Festmahl wurde das Pilgerlied gesungen, King wurde für sein tödliches Bowling als „Man of the Match“ ausgezeichnet, und Christopher Fielden, Gründer von Further Friars, hielt eine kurze Rede auf seiner letzten Tour. Eine weitere erwähnenswerte Premiere war, daß der gesamte Erdinger-Vorrat bereits vor 23:00 Uhr aufgebraucht war.
Der Sonnabend, normalerweise der große Tag auf Helgoland, war geprägt von einer eiligen Abreise bei Nieselregen, um die letzte Fähre zu erreichen, die die Insel noch vor Eintreffen des Sturms verließ. Wie immer erreichten die Jungs das Festland (Cuxhaven) ohne weitere Zwischenfälle und wurden mit einem Bus zurück nach Hamburg gebracht – der unterwegs einen Notstop einlegen mußte, da einige der Gäste ihre Aufnahmekapazität überschätzt hatten.
Es versteht sich von selbst, daß die Pilgrims wiederkommen werden: nach Helgoland, auf Tour zu den faszinierendsten Spielstätten der Welt oder zu ihrer Weihnachtsfeier. Bleibt dran für weitere einzigartige liebenswert-komische und inspirierende Momente im deutschen Cricket.
Heligoland Pilgrims: Ankit (c.), Andy (wk.), Bianca, David, Dev, Jörg, Keith, Luke, Moritz, Noman, Satya, Surya
Further Friars: Freeman, Holdsworth, Kendall, King, Lewis, Mutton, Patten, Smith, Verdin, Warner, Warner, Gower
Bericht: Ben Dover (Übersetzung Max Minor mit DeepL)
Photographie: Andy Timm, Satya Sahoo
Blitz–cricket on Heligoland
Neither the Further Friars nor the Heligoland Pilgrims suspected that they would write history when they arrived at the Landungsbrücken in Hamburg to take the catamaran to the Island of the hosts. Akin to the 1929 Stock market crash, months of meticulous planning and coordination were to wiped out within the next 36 hours. So, you have beenwarned, read on – if you dare to.
While the teams met up at the departure terminal, ominous messages seemed to have reached the President whose distant gaze to the horizon and back to his sparkling Nokia 3210 mobile phone didn´t reveal what awaited the travellers. As the latecomers were shunted onto the ferry at the last minute, the thirstiest of the visitors already dared to order their hop-fortified breakfast – one which they were likely to see again,shortly. The voyage progressed as the skies and the humour on board grew darker and the crew resorted to hand out free nausea suppressants. The crossing into the North Sea proved to be a game changer as the waves toyed with the catamaranlike a fielder juggling a ball; passengers, bags and unfortunately cutlery flew through the air while the boat bounced over (and under) the raging storm. It was here that the message reached the president that the return journey would be cancelled due to unpredictable waters, the first British sailors threw up their breakfast and the rest just wished that land was somewhere close by.
As the ferry reached Heligoland there was a cloud of dust, lead by the veteran Moritz, erupted en route to the dependance of the last available ferry provider back to the mainland. Having secured our return tour in less than 24 hours the question of rescheduling the Atlantic Cup 2026 arose. Now, for those curious souls – the Atlantic Cup is played by the Pilgrims (usually) once a year against an unsuspecting opponent by invitation only – an honour which cannot be repeated. The first day is designed to explore the island, which incidentally is tax free and harbours all sorts of hidden rare spirits, followed by a two-day time game with several highlights which include home made cakes, Fischbrötchen, a trumpet solo, a barbeque of sorts and the abundant products of the Erdinger Brewery. So, the question was – how could the Pilgrims fulfill their engagement towards their guests?
Everything had to be rescheduled, orders were cancelled, supplies redirected and the youth hostel must be praised for their speedy support. The option of a 25 over shoot out to begin within the next hour under grey skies between the Friars and the Pilgrims seemed the only possibility of any cricket. The game was rescheduled presuming that the ground would be available – which it almost was. A bunch of unruly young lads attempting to play football was more or less successfully muscled off, the pitch measured, an Erdinger players’ cap handed out to rookie Noman, and out of nowhere the game was on.
Skipper Ankit won the toss and allowed the guests to bat. The Nawab of Rosengarten, having successfully refurbished his knee ligaments, opened the bowling along with David, who struck with his second ball. From here on the Friars were sent back at regular intervals with all the Pilgrims (except keeper Andy) rolling the arm over. Holdsworth (47) was in a punishing mood scoring runs around the park, Patten (29) was solid in the middle while Smith (50*) had to be retired out. Wickets were taken by David and Ankit, who ended with miserly 8 runs for his 2 wickets. Noman taking his first catch as a Pilgrim and a run out by Luke were notable highlights. At the end of their 25 overs the Friars had amassed 163 runs. What would the Pilgrims do?
Possibly still a little shaken by the waves of the North Sea, the Friars were unable to produce a new cricket ball – also a first by any team visiting the island. They made up for it by fielding 12 players throughout their entire innings. With the Pilgrims openers soon back in the hut, followed by Luke and Jörg both nursing perpetual injuries, a humungous task was left to Skip Ankit (43) and David (40). Together with Andy(17) who was retired hurt with a broken thumb (get well soon mate) they took the score to 140 runs. Then the Friars brought King on again, although he had already bowled his allotted four overs, to break the final resistance (4-13). It looked like the home side had been blitzed on Heligoland.
The teams returned to the youth hostel to be welcomed to the traditional Saturday barbeque on a Friday evening – excellently managed by the tongs of David and Keith. A big thank you to the gents. After the feast, the Pilgrims’ song was sung, a Man of the Match award was presented to King for his lethal bowling and Further Friars founder Christopher Fielden gave a short speech on his last tour. Another mentionable first was the finishing of the entire Erdinger stock before 11:00 pm.
The Saturday, usually the big day on Heligoland, was a hurried departure in the drizzle to reach the last ferry leaving the island before the storm would hit. As always, the lads reached the mainland (Cuxhaven) without any further scares and were taken back to Hamburg by a bus – which had to make an emergency stop on the way due to some of the visitors having overestimated their intake capacities.
Needless to say, the Pilgrims will be back: on the island of Heligoland, on tour to the world’s most fascinating grounds,or on their Christmas party. Watch this space for more unique lovably comical and inspiring moments in German cricket.
Heligoland Pilgrims: Ankit (c.), Andy (wk.), Bianca, David, Dev, Jörg, Keith, Luke, Moritz, Noman, Satya, Surya
Further Friars: Freeman, Holdsworth, Kendall, King, Lewis, Mutton, Patten, Smith, Verdin, Warner, Warner, Gower
Report: Ben Dover
Photography: Andy Timm, Satya Sahoo
Ja, dieses Memorial Match hätte Mark gefallen